Heute wollen wir euch eine Schlange näher vorstellen, die mit Sicherheit jeder von Euch kennt und über die wir Euch vor längerem bereits einmal berichtet haben:
Doch diese Ringelnatter (Natrix natrix) im Bild ist keine x-beliebige Ringelnatter, sondern ein Exemplar, welches in unserer Wildlife Range, also unserem privaten und an den Zoo angrenzenden Naturschutzgebiet lebt – neben vielen anderen Reptilien, die wir Euch ebenfalls nach und nach vorstellen wollen, sobald wir jeweils Bilder dazu fotografieren konnten.
Die Ringelnatter ist vermutlich die bekannteste heimische Schlangenart und gleichzeitig eine der harmlosesten. Als ungiftige Natter spielt sie eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen und ist vor allem in der Nähe von Gewässern anzutreffen. Ihren deutschen Namen verdankt sie den auffälligen hellen, meist gelblich-weißen Flecken hinter dem Kopf, die wie ein Ring oder Kragen wirken. Der wissenschaftliche Gattungsname Natrix bedeutet wörtlich „Wasserschlange“ oder genauer „Die Schwimmerin“. Linné beschrieb die Art ursprünglich als Coluber natrix; erst durch ihre spätere Einordnung in die Gattung Natrix entstand das heute bekannte Tautonym Natrix natrix.
Die Ringelnatter ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Russland. Sie fehlt lediglich in Teilen Skandinaviens sowie in einigen südlichen Mittelmeerregionen.
In Deutschland ist sie nahezu flächendeckend anzutreffen, sofern geeignete Lebensräume vorhanden sind.
In Österreich ist die Ringelnatter weit verbreitet, allerdings nicht flächendeckend. Seit der Aufspaltung des früheren Artenkomplexes unterscheidet man dort zwei Arten:
- Ringelnatter (Natrix natrix)
- Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica)
Die Verbreitung sieht heute ungefähr so aus:
Natrix natrix kommt vor allem im Osten und Nordosten Österreichs vor, also in Wien, Niederösterreich, dem Burgenland sowie Teilen der Steiermark und Oberösterreichs.
Natrix helvetica besiedelt hauptsächlich den Westen Österreichs, also Vorarlberg, Tirol und weite Teile Salzburgs.
In einem Übergangsbereich in Oberösterreich und Teilen Salzburgs treffen beide Arten aufeinander. Dort gibt es auch Hybridzonen, in denen sich beide Arten gelegentlich kreuzen.
Die aktuelle Verbreitung bei uns in Kärnten wird noch erforscht. Seit die Barren-Ringelnatter 2017 als eigenständige Art anerkannt wurde, werden ältere Fundmeldungen nach und nach überprüft. Deshalb können sich Verbreitungskarten in den nächsten Jahren noch etwas ändern. Nach heutigem Kenntnisstand kommt in Kärnten jedoch in aller erster Linie Natrix natrix vor, während Natrix helvetica vor allem im Westen Österreichs ihren Verbreitungsschwerpunkt hat. Doch auch in unserer Gegend könnte es eine Hybridisierungszone zwischen den beiden Arten geben. Funde in der Gegend deuten auf jeden Fall darauf hin.
Bevorzugt besiedelt die Ringelnatter naturnahe Gewässer wie Teiche, Seen, Altarme, Sümpfe, Gräben und langsam fließende Bäche. Ebenso wichtig sind strukturreiche Uferbereiche mit Röhricht, Wiesen, Hecken oder Totholz. Obwohl sie ausgezeichnet schwimmen und tauchen kann, verbringt sie einen großen Teil ihres Lebens an Land, wo sie sonnige Plätze zum Aufwärmen und geschützte Verstecke sucht.
Mit einer durchschnittlichen Länge von 70 bis 100 Zentimetern gehören Ringelnattern zu den größeren heimischen Schlangen. Weibchen werden deutlich größer als Männchen und können Längen von bis zu 150 Zentimetern erreichen (Sexualdimorphismus, wie schon öfters beschrieben). Die Grundfarbe variiert von Grau über Oliv bis Braun oder Schwarz. Typisch sind dunkle Flecken auf dem Rücken sowie die markanten Nackenflecken, die allerdings bei älteren oder melanistischen Tieren kaum noch sichtbar sein können.
Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Amphibien. Frösche, Kröten und Molche bilden den Hauptteil ihrer Nahrung. Daneben werden auch kleine Fische, Kaulquappen und gelegentlich kleine Säugetiere oder Jungvögel erbeutet. Anders als Giftschlangen überwältigt die Ringelnatter ihre Beute ohne Gift und verschlingt sie meist lebend.
Die Ringelnatter selbst hat zahlreiche natürliche Feinde. Greifvögel wie Bussarde oder Milane, Reiher, Störche, Füchse, Marder, Wildschweine und Hauskatzen stellen ihr nach. Bei Gefahr setzt sie daher auf verschiedene Verteidigungsstrategien: Meist flüchtet sie ins Wasser oder ins dichte Unterholz. Fühlt sie sich in die Enge getrieben, zischt sie laut, stellt sich tot oder sondert ein stark übelriechendes Sekret aus ihren Analdrüsen ab – eine äußerst wirksame Methode, um viele Angreifer zum Rückzug zu bewegen.
Obwohl die Ringelnatter vielerorts noch häufig vorkommt, gehen ihre Bestände regional zurück. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Begradigung von Gewässern und der Straßenverkehr setzen der Art zunehmend zu. Umso wichtiger ist der Erhalt naturnaher Gewässer und strukturreicher Uferzonen. Wo sich Ringelnattern wohlfühlen, finden meist auch zahlreiche Amphibien und viele andere Tierarten einen geeigneten Lebensraum – sie ist damit ein wertvoller Botschafter für den Schutz unserer heimischen Natur.
Habt Ihr bei einem Besuch in unserem Zoo schon mal einen Blick in unsere Wildlife Range geworfen? Auch von den offiziell zugänglichen Wegen könnt Ihr dort häufig verschiedene Schlangenarten und auch andere Reptilien entdecken. Bei Interesse erzählen wir Euch wie gesagt gerne mehr dazu.